Die Geschichte der Anthotypie

Schon immer versuchten Menschen ihre Umgebung und Ereignisse zu reproduzieren und sie auch abzubilden. Ob die ersten Höhlenmenschen, mit einfachen Farben aus Holzkohle, Kalkstein und Pflanzenharzen, oder viel später mit Ölfarben, Menschen probierten die unterschiedlichsten Techniken aus. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die ersten Wissenschaftler und Erfinder Verfahren zu entwickeln, um auf lichtempfindenlichen Untergründen Bilder zu projizieren und zu fixieren.

Im Jahr 1826 belichtete der Wissenschafter Joseph Nicéphore Niépce in Frankreich auf einer Metallplatte, mit lichtempfindlichen Asphalt beschichtet, ein Bild seines Hausdaches.

Im Jahr 1837 versuchte Louis Jacques Daguerre versilberte Kupferplatten mit Quecksilber-Dampf zu entwickeln. Viele Versuche, in unterschiedlichen Ländern, wurden mit mehr oder weniger Erfolg gemacht, bis es zu den ersten fixierbaren und haltbaren Fotos kam.

In der Zeit von 1839 bis zum Jahr 1844 experimentierte der Astronom und Wissenschaftler John Frederick William Herschel (7. März 1792 - 11. Mai 1872) in England, mit Belichtungen und Fixierungen von Fotos.

Herschel, dessen Familie aus Hannover in Deutschland stammt, versuchte sich über viele Jahre an den unterschiedlichen Materialien. Er entdeckte Möglichkeiten Silbersalze zu fixieren, arbeitete mit Eisensalzen und nutzte Emulsionen aus Pflanzenfarben, um Abbildungen zu reproduzieren. Von ihm stammt auch der Begriff "Fotografie", den er zum ersten mal im Jahr 1839 in die allgemeine Wissenschaft und den Schriftgebrauch einführte.

 

John Herschel fotografiert im Jahr 1867.

Foto: National Portrait Gallery London

Original Anthotypie "No. 4, The Royal Prisoner" aus dem Jahr 1839 hergestellt von John Herschel.

Foto: Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin



John Herschel stellte bei seinen Versuchen fest, dass Pigmente mancher Extrakte aus Pflanzen und Pflanzenteilen, wenn sie den UV-Strahlen der Sonne ausgeliefert werden, ausbleichen. Papiere, die mit einer Emulsion, aus zum Beispiel Klatschmohn und Chrysanthemen, bestrichen wurden, nutzte er, um Bilder zu reproduzieren. Geätzte Glasplatten und auch recht dünne Papiere, mit einem Bildmotiv, legte Herschel auf die vorbehandelten Papiere und belichtete diese in der Sonne. Die Ergebnisse waren erfolgreich. Aber durch die sehr, sehr lange Belichtungszeiten führten die Ergebnisse zu keinem kommerziellen Erfolg.

Text-Quelle:

Wikipedia

Günther Buttmann, John Herschel - Lebensbild eines Naturforschers, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung:

Harry Ransom Humanities Research Center - The University of Texas at Austin

National Portrait Gallery, London.